Die zentrale Erkenntnis lautet: Der Iran-Konflikt wird für China zu mehr als einer geopolitischen Belastung. Schifffahrtsdaten, die für einen vollen Tag keinen bestätigten kommerziellen Verkehr durch die Straße von Hormus ausweisen, markieren eine deutliche Eskalation der Lieferkettenrisiken für Asiens importabhängige Volkswirtschaften.
Die Störung reicht dabei längst über die Meerenge selbst hinaus. Raketen- und Drohnenangriffe in den Vereinigten Arabischen Emiraten, darunter ein Drohnenvorfall nahe dem Flughafen von Dubai mit Flugausfällen sowie ein Raketenangriff in Abu Dhabi, bei dem ein Zivilist getötet wurde, zeigen, wie schnell Transport-, Logistik- und Versicherungskosten auch außerhalb des unmittelbaren Kriegsschauplatzes steigen können.
Für Peking wird der Druck zugleich politisch greifbarer. Donald Trump erklärte, er könne einen geplanten Besuch in Peking verschieben, und forderte China und andere Länder auf, bei der Wiederöffnung von Hormus zu helfen. Damit gerät China in die heikle Lage, einerseits stark von wieder fließenden Öltransporten zu profitieren, andererseits aber nicht als Akteur erscheinen zu wollen, der auf Druck aus den USA handelt.
Auch in Asien weiten sich die Markt- und Politikfolgen bereits aus. Japans Entscheidung, auf strategische Ölreserven zurückzugreifen, unterstreicht die Verwundbarkeit großer Importeure bei einem anhaltenden Schock. Zugleich verstärkt die Sorge, dass geschrumpfte Puffer in regionalen Rivalitäten neue Angriffspunkte schaffen könnten, auch für China die strategische Dimension der Krise.
Hinzu kommt ein globales Umfeld, das für Peking unbequemer wird. Japan, Frankreich und Kanada drängen auf mehr Autonomie bei seltenen Erden und machen damit deutlich, dass andere Volkswirtschaften ihre strategische Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten weiter verringern wollen, selbst wenn Chinas Rolle in der Krisenbewältigung wegen der Energieabhängigkeit zentral bleibt. Metas geplante Stellenstreichungen im Zuge der teuren KI-Expansion sind ein weiteres Signal dafür, dass Investitionen unter wachsendem Druck neu priorisiert werden.
Für China sind diese Entwicklungen deshalb besonders relevant, weil eine anhaltende Störung in Hormus höhere importierte Inflation, schwächere Handelsdynamik und schwierigere wirtschaftspolitische Abwägungen nach sich ziehen würde, während das Wachstum ohnehin uneinheitlich bleibt. Sollten Ölpreise, Frachtraten und geopolitische Risikoprämien erhöht bleiben, dürfte der Druck auf Peking zunehmen, Märkte zu stabilisieren und die Nachfrage zu stützen, während sich zugleich das außenwirtschaftliche Umfeld weiter verschärft.