In Reaktion auf die stark gestiegenen Rohölpreise infolge der Nahost-Krise hat die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Mitgliedsländer zu einer koordinierten Freigabe strategischer Ölbestände aufgefordert. Mit einem Gesamtvolumen von 400 Millionen Barrel stellt dies den größten Notfall-Einsatz seit der Energiekrise von 2022 dar. Die G-7-Staaten signalisieren geschlossen ihre Unterstützung für diese Maßnahme und unterstreichen damit ihren Willen zur Stabilisierung der globalen Energieversorgung.
Parallel zur internationalen Koordination hat die japanische Regierung ein Maßnahmenpaket beschlossen. Aufgrund der Befürchtung, dass die angespannte Lage im Iran zu einem deutlichen Rückgang der Rohölimporte führen könnte, wird Japan seine nationalen Ölreserven mobilisieren. Gleichzeitig wird ein Preisdeckel für Benzin in Höhe von etwa 170 Yen pro Liter eingeführt, um die Belastung für Haushalte und Unternehmen zu begrenzen.
Die Märkte reagieren bislang verhalten auf diese Maßnahmen. Trotz der Ankündigung der IEA-Freigabe zeigte sich der WTI-Rohölpreis an der New York Mercantile Exchange zeitweise bei 88 Dollar pro Barrel und verharrt auf hohem Niveau. Dies deutet darauf hin, dass Anleger die Ankündigung nicht als Lösung der zugrundeliegenden geopolitischen Risiken interpretieren.
Die Lage bleibt fragil. Der Iran könnte US-Militäreinrichtungen und Hotels ins Visier nehmen, und es wird eine Verminte der Straße von Hormus als realistisches Szenario diskutiert – beides würde fundamentale Energietransportrouten gefährden. Die G-7 bekräftigt indes, dass sie an ihren Sanktionen gegen Russland festhalten wird und nicht bereit ist, diese Maßnahmen zu lockern, unabhängig von Entwicklungen im Nahen Osten.
Künftig wird das Energiepreisniveau von zwei Faktoren bestimmt: von der physischen Marktentlastung durch die Reservenfreigaben einerseits und von der tatsächlichen politischen und militärischen Entwicklung im Nahen Osten andererseits. Für die japanische Wirtschaft ist die kurzfristige Entlastung durch Preisdeckel notwendig, doch besteht das Risiko, dass eine anhaltende globale Energieknappheit die wirtschaftliche Erholung gefährdet.